Bröckelnde Gewissheiten
Anthropologisches Arbeiten in einer krisen-gerüttelten Gegenwart - und Zukunft
DOI:
https://doi.org/10.21248/ka-notizen.87.97Schlagworte:
Anthropologie der Gegenwart und der Zukunft, Gesellschaftliche Polykrisen, Affekt und Verkörperung, Public Anthropology, Nachhaltige WissensinfrastrukturenAbstract
In diesem Artikel untersuche ich, wie anthropologisches Arbeiten in einer von sozialen, politischen und ökonomischen Krisen geprägten Gegenwart konzeptuell, methodologisch und professionell gestaltet werden kann. Unter Rückgriff auf die Anthropologien der Gegenwart und der Zukunft zeige ich, wie Prozesse „bröckelnder Gewissheiten“ als situierte Erfahrungen gesellschaftlicher Transformation verstanden werden können und wie affekttheoretische Perspektiven deren verkörperte Verflechtungen mit historischen und sozio-materiellen Kontexten nachzeichnen. Ich beleuchte, wie kollaborative und öffentlich engagierte Forschung unter Bedingungen politischer Volatilität sozial relevantes, multiperspektivisches und nachhaltiges Wissen hervorbringen kann, und verdeutliche die Bedeutung der Etablierung krisenfester Forschungskooperationen angesichts eingeschränkter wissenschaftlicher Autonomie, repressiver Regime und transnationaler Machtasymmetrien sowohl im ‚Globalen Süden‘ als auch im ‚Globalen Norden‘. Diese Überlegungen stützen sich auf teils kollaborative ethnografische Forschungen zur moralischen Subjektwerdung in Tansania, zu Erfahrungen von Flucht und Ankommen in Deutschland, zur affektiven Verkörperung der Pandemie sowie zu dekolonialen Auseinandersetzungen mit ethnografischen Sammlungen.
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