Fuzzy Embeddedness

The Ethnography of Corporate Social Responsibility in the Extractive Industries

Autor/innen

  • Susana Carmona Maastricht University

DOI:

https://doi.org/10.21248/ka-notizen.83.5

Schlagworte:

Corporate Social Responsibility (CSR), Bergbauindustrie, Unternehmensethnographie, Cerrejón, indigene Gruppen

Abstract

Corporate Social Responsibility (CSR) in der Rohstoffindustrie ist ein relativ neues, aber wachsendes Thema für die Ethnologie. Um CSR Praktiken zu untersuchen, führen Anthropolog:innen häufig ethnographische Forschung in Unternehmen durch, was eine einzigartige Perspektive bietet, um die Beziehungen zwischen Unternehmen und Gemeinschaft, komplexe Machtverhältnisse und die Mainstream-Diskurse der Global Governance zu analysieren. Ethnographie in Unternehmen erfordert jedoch eine weitere Reflexivität über die Positionalität der Forschenden und was diese über die Funktionsweise von CSR sagen kann. Der Beitrag baut auf meinen Erfahrungen bei der Durchführung einer Ethnographie der Cerrejón-Mine in Kolumbien, einer der größten der Welt, und einem Dialog mit den methodologischen und theoretischen Überlegungen anderer Anthropolog*innen über CSR auf. Ich erläutere die Konzeptualisierung der Arbeit von Ethnograph:innen in Unternehmen als fuzzy embeddedness, um die temporären, mehrdeutigen und oft unerkannten Wege zu erforschen, auf denen Ethnograph:innen in die Logik der Unternehmen eintauchen und Teil der Hierarchien und Machtverhältnisse werden, die die Unternehmen umsetzen. Der Artikel entwickelt zwei Hauptargumente. Erstens sehen Bergbaukonzerne Ethnograph:innen als Stakeholder in ihrer Praktiken der Transparenzherstellung und verwandeln damit die (Forschungs-)Beziehung in eine Inszenierung von CSR. Zweitens ist eine von Empathie geleitete Haltung gegenüber Unternehmensvertreter:innen ein produktiver Weg, um die Funktionsweise und Reproduktion von CSR zu verstehen. Im Text präsentiere ich einige methodologische Überlegungen und Hinweise auf die Funktionsweise von CSR. 

Autor/innen-Biografie

Susana Carmona, Maastricht University

Susana Carmona ist Postdoctoral Teaching Fellow am University College Maastricht in den Niederlanden. Ihre Forschung ist an der Schnittstelle von Entwicklungs- und Bergbauanthropologie, politischer Ökologie und Science and Technology Studies angesiedelt. Carmona schloss ihre Promotion in Anthropologie 2020 an der Universidad de Los Andes in Bogota mit einer Fallstudie zur Cerrejón-Mine in Kolumbien ab. Sie untersuchte die Beziehungen zwischen Unternehmen, staatlichen Akteur:innen und lokalen Gemeinschaften im Zusammenhang mit der Rohstoffindustrie, die Vermittlung von Expertenwissen und die Regierungstechnologien, die bei Umweltkontroversen eingesetzt werden. Susana Carmona hat an der Goethe-Universität Frankfurt und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in Deutschland sowie an der Universidad del Rosario in Kolumbien gelehrt. Von 2019 bis 2020 war sie Mitglied des RUSTLAB an der RUB, wo sie gemeinsam mit Kolleg:innen an Kodierungspraktiken für kollektive Arbeit in der Wissenschaft gearbeitet und experimentelle Methoden für ethnografische Forschung diskutiert hat. Derzeit arbeitet sie an einem Forschungsprojekt über Ernährungsunsicherheit und Bewältigungsstrategien der indigenen Gemeinschaft der Wayuu in Kolumbien.  

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Veröffentlicht

2021-10-11