Situated Withnessing in/as Intervention

Co-Laborative, Ethnographic Long-Term Research with Social Psychiatry

Autor/innen

  • Patrick Bieler Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin

DOI:

https://doi.org/10.21248/ka-notizen.83.4

Schlagworte:

Ethnographische Analyse, Ko-laboration, Withnessing, Relationale Anthropology, Urban Mental Health

Abstract

Im Rahmen meiner Forschung über die Zusammenhänge von psychischer Gesundheit und städtischen Umwelten in Berlin, Deutschland, beobachtete und arbeitete ich in und mit einem Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Menschen mit schweren psychischen Problemen unter den Bedingungen eines angespannten Wohnungsmarktes. Im Laufe des Projekts wurde ich über ‚lediglich‘ teilnehmendes Beobachten hinausgehend ein aktiv mitarbeitendes Projektmitglied. Diese Art des Engagements basiert nicht auf einer ethischen Verpflichtung gegenüber den moralischen und politischen Zielen der Forschungspartner*innen, sondern stellt vielmehr eine Methode zur Generierung von situiertem empirischem Wissen und Konzepten dar. Die Arbeit mit dem Projekt ermöglichte es, Situationen des kritischen Dialogs und der Konfrontation zu schaffen, wodurch sich über einen zeitlichen Verlauf hinweg analytische Ideen herauskristallisierten. So verschwimmt die Trennung zwischen beobachteten und beobachtenden Subjekten ebenso wie die zwischen Beobachten, Intervenieren und Analysieren. Darüber hinaus argumentiere ich, dass die aktive Teilnahme an einer Intervention als ethnografische Langzeitintervention dienen kann, die auf die Produktion neuartiger Forschungsfragen und methodischer Erkenntnisse abzielt, die weitere Forschungszusammenhänge informieren können. Das Ziel der Intervention liegt also abseits von und geht über die lokal beobachteten Probleme hinaus. Ich werde dieses Argument kurz erläutern, indem ich meinen Beitrag zu den interdisziplinären Interessen der Urban Mental Health Forschung diskutiere.

 

Autor/innen-Biografie

Patrick Bieler, Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin

Patrick Bieler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Doktorarbeit BioÖkologien des Begegnens beruht auf einer ko-laborativen ethnographischen Untersuchung der relationalen Konstitution von psychischer Gesundheit und städtischem Leben. Sein Interesse gilt der Erweiterung anthropologischer Konzeptualisierungen von Mensch-Umwelt-Beziehungen durch die Kombination von Ansätzen aus den Science and Technology Studies, den Urban Studies sowie der Medizin- und Umweltanthropologie. Diese Interessen verfolgt er aktuell in einem interdisziplinären Forschungsprojekt mit Sozialpsychiater:innen weiter.

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Veröffentlicht

2021-10-11