Extraordinary Ethnographic Encounters in Extraordinary Times

A Plea for Experimental Interventions in More-than-Business Relations

Autor/innen

  • Ruzana Liburkina Institut für Soziologie, Goethe-Universität

DOI:

https://doi.org/10.21248/ka-notizen.83.2

Schlagworte:

experimentelle Interventionen, Privatwirtschaft, Lebensmittelindustrie, ethnographische Zusammenarbeit, Anthropozän

Abstract

Angesichts der fortschreitenden Zuspitzung der ökologischen Krise durch etablierte Muster des Wirtschaftens werden in diesem Beitrag ethnographische Begegnungen mit Mainstream-Marktakteuren neu erwogen. Wirkungsvolle experimentelle Interventionen in hegemoniale marktwirtschaftliche Konfigurationen scheinen bislang kaum realisierbar, nicht zuletzt aufgrund diverser Unvereinbarkeiten zwischen akademischer ethnographischer Arbeit und geschäftlichem Agieren. Der Zugang zur Privatwirtschaft als bestehend aus Verflechtungen von Profit- und Wissensproduktion vermindert die epistemischen Fallstricke solcher Begegnungen. Mit Rückgriff auf empirische Einsichten in den Lebensmittelsektor schlägt der Beitrag vor, etwaige Zusammenarbeit mit Marktakteuren nicht als dyadisch zu konzipieren. Stattdessen wird hier für epistemische Kooperationen mit more-than-business Netzwerken plädiert, in denen Wissen und Praktiken des Geschäftlichen untrennbar miteinander verbunden sind. Solche experimentellen Interventionen können sich der Irritation dreier konstitutiver Säulen des zeitgenössischen Kapitalismus annehmen: der Beziehungen zwischen lokal situierten Wissenspraktiken und übergreifenden diskursiven Formationen, der Beziehungen zwischen formalisierter Expertise und privatwirtschaftlichem Agieren und der Beziehungen zwischen widerstreitenden Wahrheitsansprüchen und Werten.

Autor/innen-Biografie

Ruzana Liburkina, Institut für Soziologie, Goethe-Universität

Ruzana Liburkina ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort arbeitet sie im Rahmen des Forschungsprojekts CRYOSOCIETIES zur Kryokonservierung menschlicher Stammzellen. Zuvor hat sie mit einer Dissertation zur Realisierung, Aneignung und Ablehnung von Verantwortung und Wachstum entlang von Lebensmittellieferketten am Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Zu Ihren Forschungsschwerpunkten zählen Wissenschafts- und Technikforschung, Wirtschaftsanthropologie und ökologische Anthropologie.

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Veröffentlicht

2021-10-11