Zur Berechenbarkeit von Umwelten
Wissenspolitiken und Klimagovernance
DOI:
https://doi.org/10.21248/ka-notizen.88.78Schlagworte:
Umweltliche Berechenbarkeit, Klimagovernance, Digitalisierung, Feministische STS, Computational Infrastructures, RefractionAbstract
Die Digitalisierung prägt zunehmend, wie Umwelten im Klimawandel erkannt und regiert werden. Dieses Editorial entwickelt den Begriff der environmental computability (Berechenbarkeit von Umwelten), um jene sozio-materiellen Bedingungen zu beschreiben, unter denen Umwelten durch computationale Systeme messbar, vergleichbar und handlungsrelevant werden, und fragt, welches Wissen und welche Infrastrukturen dies ermöglichen. Statt die Beiträge dieses Sonderhefts lediglich vorzustellen, liest das Editorial sie im Zusammenhang mit bestehender Forschung zu Digitalisierung und Umwelt-Governance und bietet eine Zusammenschau gegenwärtiger Einsichten, wie berechenbare Umwelten mit Fragen von Expertise und Extraktion, von Instandhaltung und Sorge, von Ungleichheit verwoben sind – und mit längeren Geschichten, die bis in gegenwärtige Klimazukünfte fortwirken. Im Anschluss an feministische STS schlage ich Diffraktion und Refraktion als komplementäre analytische Perspektiven vor: Diffraktion lenkt den Blick darauf, wie computationale Umwelten durch Relationen entstehen, während Refraktion nachzeichnet, wie bestehende Macht- und Ungleichheitsverhältnisse durch digitale Infrastrukturen umgelenkt werden. Zusammengenommen machen diese Perspektiven die Politik der environmental computability sichtbar – ebenso wie die Dys/Kontinuitäten, durch die sich Digitalisierung und Klima-Governance miteinander verweben.
Die Beiträge dieses Special Issue zeigen, dass diese Prozesse mit Fragen von Expertise, Extraktion, Instandhaltung, Sorge und Ungleichheit sowie mit längeren historischen Entwicklungen verflochten sind. Ausgehend von der feministischen Wissenschafts- und Technikforschung (STS) dienen Diffraktion und Refraktion als komplementäre analytische Perspektiven: Diffraktion macht sichtbar, wie berechenbare Umwelten relational hervorgebracht werden, während Refraktion nachzeichnet, wie bestehende Macht- und Ungleichheitsverhältnisse durch digitale Infrastrukturen verändert oder fortgeschrieben werden. Zusammen schärfen beide Perspektiven den Blick für die politischen Dimensionen environmentaler Berechenbarkeit und für die Dys-/Kontinuitäten zwischen Digitalisierung und Klimagovernance.
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